Philosophische Fachausdrücke

 

Wichtige philosophische Fachausdrücke
(entnommen aus: Bruno Heller: Grundkurs Philosophie. Band 1: Einführung in die Philosophie. Philosophische Anthropologie. München, 32000.)
 
absolut: losgelöst, unabhängig von allen Bedingungen, Einschränkungen, Beziehungen (lat. absolvere = ablösen, freisprechen)
abstrakt, Abstraktion: Was „abstrakt“ ist, ist abgezogen von unmittelbar greifbaren Gegebenheiten (lat. abstrahere = wegziehen, abziehen). Gegenbegriff: „konkret“ (wörtl. „zusammengewachsen“).
Akzidenz: Eigenschaft (im Gegensatz zu „Substanz“)
Analyse: Auflösung, gedankliches Auseinandernehmen; Untersuchung; Gegenbegriff: „Synthese“
Antinomie: Widerspruch zwischen zwei vom Denken anerkannten Gesetzmäßigkeiten
a posteriori: im Nachhinein, aufgrund von Erfahrungen
a priori: von vornherein, vor aller Erfahrung
arché (archá): ein griechisches Wort, das ungefähr dem lateinischen „Prinzip“ entspricht und einen anfänglichen, elementaren Seinsgrund bezeichnet (vgl. „archaisch“, „Archäologie“)
Ästhetik: Lehre vom Schönen, Kunstphilosophie; das griechische Wort „aisthesis“ bezeichnet eigentlich die Wahrnehmung.
Attribut: Hinzufügung, Eigenschaftsbezeichnung
Deduktion: (logische) Herleitung; Gegenbegriff zu „Induktion“
Deskription: Beschreibung
Dialektik: ursprünglich eine Denkweise, die etwas durch-denkt (griech. dia = durch); Platon sah darin die Methode der Vernunft. Später wurde dieses Durchdenken als ein Arbeiten mit Gegensätzen verstanden; dialektisch ist ein Verfahren, das eine Sache von zwei einander scheinbar widersprechenden Gesichtspunkten aus betrachtet und die Widersprüche zu überwinden sucht (Hegel, Marx).
Dualismus: eine philosophische Position, für die es zwei grundsätzlich verschiedene Wirklichkeiten gibt, z. B. Leib und Seele oder sinnliche Wahrnehmungswelt und die Dinge selbst.
empirisch: erfahrungsgemäß. „Empirismus“ heißt eine philosophische Richtung, die alle Erkenntnis nur aus der Erfahrung gewinnen will.
Ethik: Lehre vom Sittlichen, von den moralischen Grundsätzen menschlichen Handelns
Evidenz: unmittelbare Gewissheit. Evident ist etwas, wenn es ganz offensichtlich ist und nicht bewiesen werden muss.
Existenz: Im Allgemeinen versteht man darunter das Vorhandensein eines Dings. In der Existenzphilosophie wird der Begriff aber anders verwendet und auf die Seinsform des Menschen bezogen.
Idealismus: Meist wird darunter eine Haltung verstanden, in der jemand sein Streben auf hohe Ziele (Ideale) richtet. Im philosophischen Sinne ist „Idealismus“ eine Denkweise, für die das eigentlich Wirkliche im Geistigen liegt (Gegensatz zum Materialismus).
immanent: eingeschlossen, einbegriffen. Immanent ist etwas, das in einer Sache liegt (Gegensatz zu „transzendent“).
Induktion: wörtl. „Einführung“; Gegensatz zu „Deduktion“; ein Verfahren, das von Einzeltatsachen ausgeht und sie zu verallgemeinern sucht.
Intuition: Eingebung. Es können unmittelbare geistige Einsichten gemeint sein (wie etwa bei Descartes), aber auch mystische Erlebnisse durch höhere Offenbarung.
Logik: Lehre von den Formen richtigen bzw. schlüssigen Denkens
Materialismus: philosophische Richtung, für die alle Realität grundsätzlich auf stoffliche (materielle) Gegebenheiten zurückgeht (Gegensatz zum „Idealismus“)
Metaphysik: wörtl.: das, was hinter der Physik kommt. Ursprünglich war der Begriff eine bibliothekarische Verlegenheitslösung; bei der Ordnung aristotelischer Schriften wurden etliche Texte ohne besondere Titel hinter die Physik-Vorlesungen des Aristoteles gestellt und mit der Sammelbezeichnung „Metaphysik“ versehen (metá = hinter). Später erhielt der Begriff eine neue, inhaltliche Deutung: „Metaphysik“ als Lehre von den grundlegenden Prinzipien des Seins und des Werdens.
mystisch: Bezeichnung für geheimnisvoll-irrationale Vorgänge, besonders für Erlebnisweisen, in denen sich ein intuitiver Zugang zu Gott, zum Ganzen der Welt bzw. der Natur eröffnet
Objekt: Gegenstand; besonders: Erkenntnisgegenstand
Ontologie: Seinslehre, Lehre vom Sein des Seienden. Sie versucht zu klären, was „das Sein“ überhaupt ist.
Paradoxon: Widerspruch zwischen zwei als richtig erscheinenden Vorstellungen
Prinzip: das Erste, Grundlage, Anfang
Rationalismus: eine philosophische Position, für die alles Erkennen von der Tätigkeit der Vernunft aus­geht
Reflexion: wörtl.: Zurückbeugung. Gemeint ist das Überdenken dessen, was man tut oder was geschieht.
Relativismus: ein Standpunkt, nach dem Bestim­mungen einer Sache nur immer in Bezug auf weitere Bedingungen oder Umstände gültig sein können (also nicht absolut genommen werden dürfen)
Subjekt: das erkennende (bzw. handelnde) Ich
Substanz: der Träger von Eigenschaften (Akzidentien)
Substrat: das, was übrigbleibt, wenn man eine Sache ihrer äußeren Bestimmungen entkleidet
Synthese: Zusammenfassung (Gegensatz zu „Ana­lyse“)
Ideologisch: zielstrebig, zweckmäßig (von griech. télos = Ziel)
Theorie: gedanklicher Entwurf, der einen Erscheinungsbereich durch Sinn- und Kausalzusammenhänge zu erklären versucht. Eine Theorie kann deduktiv entwickelt werden oder sich auf Erfahrungen stützen, muss aber immer logisch aufgebaut und gut begründet sein, während Hypothesen vorläufige Annahmen zur Entwicklung von Theorien sind.
transzendental: vor der Erfahrung liegend. Eine „Transzendentalphilosophie“ untersucht die Bedingungen, unter denen Erfahrung möglich ist (so z. B. Kant).
transzendent: über alle Erfahrung hinausgehend, d. h. empirisch nicht zu bestätigen